Wieviel Baum bist Du schon? (von Michael Hoppe)

Er ist einfach nur da.

Jahr um Jahr gewachsen, fast 250 Jahre lang.

Seitdem verweilt er in STILLE. All die ereignisreichen Jahre haben ihn nicht zum Sprechen gebracht.

Ich habe ihn ermutigt zu erzählen - vergeblich. Offenbar war ihm Vergangenes nicht wichtig.

Nie hat er sich Gedanken um etwas gemacht. Keine Angst um seine zukünftige Situation. Irgendwann fragte ich ihn, ob er sich denn nicht vor einem zu heißen Sommer fürchtet, er könne Mangel leiden, womöglich seine Früchte frühzeitig verlieren oder schwach und krank werden ? Und dann war ja noch die Gefahr, auf Grund seines wunderbaren kräftigen Stammes gefällt zu werden.Ich sagte ihm, er sei nicht der erste Baum, dem dieser Weg zuteil wurde.

Er antwortete wieder nicht und verharrte in seiner Stille - offenbar hatte er keine Gedanken, seine zukünftige Situation betreffend.

Keine Gedanken - keine Probleme.

Er kennt nicht die Dimension des sich Sorgens um Irgendetwas.

Obwohl ich lauschte und intensiv hinhörte vernahm ich keine einzige Klage.

Einmal trat ich mit den Füßen gegen ihn. Ich wollte sehen wie stark er ist, obwohl mir seine Härte bekannt war.

Er hat sich nicht beschwert, mir auch keine Szene gemacht, noch die Situation verteufelt.

Es fällt auf, niemand hat ihn je klagen hören. Es gab tatsächlich keinen einzigen Augenblick, der

nicht recht gewesen wäre, so wie er war.

Viele Spaziergänger gingen an ihm vorbei. Nie hat ihn jemand rufen hören: "...beachte mich ..."

Aber irgendwann staunten die Spaziergänger über ihn. Sie nahmen seine Größe war, seine Stärke und seine Kraft.

Mächtig stand er da und schützend und Heimat für viel Getier um ihn und an ihm.

Er verstand es Spaziergänger zu berühren, ohne auch nur einen einzigen Zweig nach ihnen auszustrecken. Das Band der Stille begann sich um beide zu legen, um Baum und Betrachter.

Dabei geschah es. Mit der sich ausbreitenden Stille entstand der Raum für die Größe und Würde des Baumes, für seine Perfektion und Stärke, für sein harmonisches und liebevolles Dasein, für sein Glücklichsein.

Wieviel Baum bist Du schon?

Ein ver- rückter Vogel         (von Michael Hoppe)
Selbiger Baum hatte Äste.
Wo Äste, da auch Vögel.
Und so geschah es.
Ein Vogel flog den Ast an:
"Oh, auf welch guter Position ich doch gelandet bin. Also wirklich, ich hätte es wohl kaum besser treffen können.
Andererseits - ein anderer Ast könnte vorteilhafter sein ...
Dann hätte ich aber nicht mehr diesen Ast, er könnte sich doch als der Bessere erweisen, ist dann womöglich schon belegt ... "
Viele Gedanken - viele Probleme.
Unnötige Gedanken lassen - weniger Probleme.
Um es kurz zu machen, die Katze holte den problematischen Vogel.
Nein, so bin ICH nicht, vielleicht ein bischen,
wenigstens nur manchmal aber dann hol` mich die Katz.
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